Pressestimmen: Bereitschaft zu weiterer Zusammenarbeit

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"Kommunales Vereinsnetzwerk Sport": Vereinsvertreter im Gespräch mit der Verwaltung, dem Sportbund und dem Institut für Kooperative Planung und Sportentwicklung

Bereitschaft zu weiterer Zusammenarbeit

Von unserem Redaktionsmitglied Uwe Bauer

Wertheim. Im Sitzungssaal des Wertheimer Rathauses werden für gewöhnlich vom Gemeinderat, seinen Ausschüssen und den Eigenbetrieben Beschlüsse gefasst. Die Zusammenkunft am Mittwoch diente allerdings einem anderen Zweck. Denn da trafen sich Vertreter der Wertheimer Sportvereine mit der Stadtverwaltung, dem Badischen Sportbund Nord (BSB) und Dr. Stefan Eckl vom Institut für Kooperative Planung und Sportentwicklung ("ikps") aus Stuttgart. Das Institut hatte im Auftrag der Stadtverwaltung Wertheimer Sportvereine zu ihren Strukturen befragt und wollte dabei auch die Chancen für ein "Kommunales Vereinsnetzwerk Wertheim - Sport" ausloten.

Kein eindeutiger Auftrag

"Einen eindeutigen Auftrag, ein übergreifendes Vereinsnetzwerk zu installieren, kann aus den Befragungsergebnissen nicht abgeleitet werden", sagte Eckl in seiner Zusammenfassung. "Die Notwendigkeit eines Ausbaus der Zusammenarbeit der Sportvereine ist dennoch ersichtlich."

Man wolle heute also zum einen die Ergebnisse präsentieren (siehe dazu weiteren Artikel), über mögliche, aus den Antworten der Wertheimer Sportvereine hervorgehende Umsetzungsideen und über das weitere Vorgehen sprechen.

"Ideen konkret verfolgen"

"Mit dem heutigen Tag haben wir also noch gar nichts beschlossen", meinte Eckl am Ende der rund zweistündigen Veranstaltung, zu der 24 Vertreterinnen und Vertreter aus 20 Wertheimer Sportvereinen (von insgesamt 40) erschienen waren. Abgemacht wurde jedoch, am Mittwoch, 21. März, wieder zusammenzukommen. Dann sollen ein bis zwei Ideen konkret verfolgt werden, die sich im Laufe des Abends als machbar erwiesen haben.

"Sportvereine stehen unter einem gewissen Handlungsdruck durch den demografischen Wandel, ein verändertes Sportverständnis, dem Verlust der Monopolstellung durch kommerzielle Anbieter, durch vermehrt auf die Sportvereine abgewälzte Aufgaben", meinte Stefan Eckl eingangs. "Auf der anderen Seite haben wir ein schwindendes ehrenamtliches Engagement und teils auch eine schwierige Finanzierung der Vereinsarbeit." Das seien landauf, landab die Probleme in Sportvereinen, die diskutiert und gesehen würden.

Sehr gute Strukturen

Auffällig an der Situation in Wertheim sei, dass die Sportvereinsstrukturen sehr gut sind. Darauf könne man auch stolz sein, sagte Eckl.

Alle Sportvereine seien auch sehr agil, wenn es um Mitgliedergewinnung, Kursangebote auch für Nichtmitglieder und zielgruppenspezifische Angebote gehe. "Das Sport- und Bewegungsangebot zeigt die hohe Innovationsbereitschaft der Wertheimer Sportvereine", lobte der Referent.

Ausbaufähig sei jedoch das Verhältnis zu anderen Sportvereinen und die Bereitschaft zu Kooperationen mit anderen Institutionen, zumindest bei kleineren Vereinen.

Die nun vereinbarte Veranstaltung am 21. März könne also ein "Auftakt sein, um beispielsweise ein Konzept für einen ,Wertheimer Sporttag' auf die Beine zu stellen, aber auch die anderen Punkte weiter zu bedenken, etwa den Wunsch ,gemeinsamer Angebote'. Wir werden sehen, welche Schwerpunkte letztlich gesetzt werden", sagte Eckl.

Zuvor war Dr. Florian Dürr vom Badischen Sportbund mit den Vereinsvertretern zu einer Tendenzabstimmung geschritten, bei der die Vorschläge eines "Sporttages" und die "gemeinsamen Angebote" favorisiert wurden.

Es gelte bei allen Sportvereinen, Gegenwart und Zukunft zu bedenken, sagte Heinz Janalik, Präsident des BSB, und kam schnell zu seinem "Lieblingsthema Sportentwicklung". Er präsentierte sich als "heftiger Vertreter intensiver Zusammenarbeit", denn "wir brauchen die ständige und intensive Kommunikation, den Austausch mit den anderen."

Auf die Institutionen zugehen

Janalik stimmte auch Oberbürgermeister Stefan Mikulicz zu, der sagte, dass "der Nachwuchs für die Sportvereine in den Kindergärten und Schulen aufwächst. Deshalb müssen Sportvereine eigentlich schon recht früh auf diese Institutionen zugehen, um die Mädchen und Jungen für den Sport zu begeistern. Sportvereine werden künftig eine Rolle spielen im Bildungsnetzwerk."

Entscheidend sind die Rektoren

Wichtig seien in diesem Zusammenhang, so Janalik, die Rektoren, "denn die entscheiden über die Strukturen und Leitlinien in ihrer Schule. Es gibt nicht viele, die dem Sport mit offenen Augen und offenem Herzen entgegentreten."

"Die Chance für den Sport ist jetzt da. Kriegen Sie den Fuß in die Tür der Bildungsinstitutionen, das ist das A und O", rief Janalik auch jenen Vereinsvertretern zu, die zuvor schlechte Erfahrungen mit solchen Kooperationen gemacht haben.

Arbeiten und üben

In seinem Schlusswort gab Heinz Janalik den Vereinsvertretern noch etwas zum Nachdenken mit auf den Nachhauseweg: "Vernetztes und vernetzendes Denken und Handeln ist erlernbar. Immer, wenn wir zusammenkommen, arbeiten wir daran und üben. Also sehe ich den 21. März als einen Anlass, genau in diese Richtung weiter zu arbeiten: Wie vernetze ich mich im Denken und Handeln mit anderen, im Gegensatz zu bisher manchmal schon stark konkurrenzorientiertem und autistischem Denken und Handeln. Wir können uns nicht mehr abschotten, wir brauchen die anderen."

Fränkische Nachrichten

20. Januar 2012

Quelle:

http://www.fnweb.de/regionales/we/wertheim/20120120_mmm0000002760121.html