Totgesagte leben länger. Das gilt offenbar auch für eine neue Großveranstaltungshalle im Heilbronner Raum. Schon seit Jahrzehnten taucht dieses Thema immer mal wieder auf − und verschwindet genauso oft wieder in den Schubladen der Planer. Am Donnerstag öffnete Heilbronns Sportbürgermeister Harry Mergel eine dieser Schubladen, als er im Gemeinderat den Sportentwicklungsplan für die Stadt Heilbronn vorstellte.
In der 128 Seiten starken Untersuchung sind eine Bestandsanalyse und Handlungsempfehlungen für eine bewegungsfreundliche Stadt enthalten (wir berichteten). Mergel riet dazu, "sich mal wieder zu unterhalten" − und zwar über die Großveranstaltungshalle. Sie müsse ja nicht, wie die Ludwigsburger Arena, 6500 Zuschauer fassen. Warum nicht 4000? Auch was das Geld angehe, an dem die Pläne stets gescheitert sind, hatte Mergel schon eine Idee: "Wir sollten unsere Fühler nach Neckarsulm ausstrecken."
Vielleicht waren die bisher erlittenen Niederlagen mit dem Projekt zu heftig, wie auch immer: Niemand außer Stadtrat Nico Weinmann (FDP) griff den Gedanken auf. Welche Ziele die Kommune aus dem Sportentwicklungsplan verfolge, "wird eine Frage der Prioritäten sein", sagte Weinmann. Ob die Großveranstaltungshalle zu diesen Prioritäten gehöre, "wage ich zu bezweifeln".
So konzentrierte er sich auf die Erkenntnisse, die sich aus den drei Jahren Recherchen im Heilbronner Sportleben ergeben haben. Weinmann: "Wir müssen etwas gegen die Defizite in den Stadtteilen tun, etwa in Kirchhausen und Horkheim." Damit war er ganz auf der Linie von Wolf Theilacker (Grüne). Der hob ein weiteres Manko hervor: "Wenige Kinder können noch schwimmen. Das Stadtbad Soleo ist überfrachtet und das Biberacher Hallenbad reicht nicht aus."
Insgesamt gab es viel Lob für die akribische Studie. "Die Vereine leisten gute Arbeit", sagte CDU-Stadtrat Eugen Gall. Die Integration sei aber ein Thema. "Immer mehr Vereine bilden sich aus Nationen." Herbert Tabler (SPD) wünschte sich, dass der Plan nun schnell umgesetzt werde. Ein "Leuchtturmprojekt" nannte er die Fusion von TG und ESV in Böckingen. Bürgermeister Mergel hatte zuvor gemahnt: "Die Kooperationsbereitschaft zwischen den Vereinen muss zunehmen."
Malte Höch (FWV) würde sich wünschen, dass "wir uns in zwei Jahren wieder zusammensetzen". Um zu prüfen, was aus den Plänen geworden ist. Heiko Auchter (Pro Heilbronn) kritisierte, dass "über manche Punkte großzügig hinweggegangen wurde". Etwa dass das Frankenstadion nach wie vor kein Flutlicht hat. Und wie der Fußball wieder mehr Stellenwert bekommen könnte.
Die Jugendräte Isaak Gelen und Toshiaki Tanaka schlugen vor, den Bedarf für ein Sportleistungszentrum zu ermitteln, den Nachholbedarf bei den Radwegen schnell abzubauen und die Sportanlagen der Schulen in den Ferien zu öffnen. Letzteres hielt Hasso Ehinger (Linke) für "enorm wichtig".
Quelle:
http://www.stimme.de/heilbronn/nachrichten/stadt/sonstige-Neuer-Vorstoss-fuer-neue-grosse-Halle;art1925,2248222 vom 24.09.2011