Pressestimmen: Fortschreibung der Sportentwicklungsplanung in Fellbach

 

"Sensationelle" Werte für Sportangebote

Fellbach. Sportentwicklungsplan: Ein Gutachter bescheinigt der Stadt eine gute bis sehr gute Versorgung an Hallen und Räumen. Im Detail sind noch Verbesserungen möglich. CDU: Das hätten wir auch ohne externen Gutachter gewusst. Von Gerhard Brien

Wie gut die Fellbacher Bürger das Sportangebot in der Stadt bewerten, das nannte Stefan Eckl vom Institut für Kooperative Planung und Sportentwicklung "sensationell". Eine Ausnahmestellung habe Fellbach damit in der Region. Oberbürgermeister Christoph Palm vernahm die Worte in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats gerne. So gerne, dass er darum bat: "Können Sie das noch einmal sagen?"

Das Institut, dessen Geschäftsführer der promovierte Sport- und Politikwissenschaftler Eckl ist, hat seit 2009 den Sportentwicklungsplan aus dem Jahr 2001 fortgeschrieben und jetzt seinen Abschlussbericht vorgelegt. Demnach ist die Stadt im Sport besonders gut ausgestattet, mit Hallen und Gymnastikräumen sei Fellbach gut bis sehr gut versorgt. Dem entspreche auch eine sehr hohe "Aktivenquote": Etwa 70 Prozent aller Einwohner sei mindestens ein Mal pro Woche sportlich aktiv. Insbesondere der Gesundheitssport habe enorme Bedeutung. 45 Prozent der Fellbacher sind Mitglieder in einem Sportverein. Der Experte empfahl, gewisse Defizite in der Ausnutzung der Hallen zu beheben und die Bewegungsförderung in Schulen und Kindergärten sowie für Senioren zum Schwerpunkt der Sportpolitik zu machen. Mittel- bis langfristig könnte der Bau einer "Kalthalle" sinnvoll sein. Nachdrücklich riet Eckl, eine Arbeitsgemeinschaft "Sport und Bewegung in Fellbach" ins Leben zu rufen, in der sich alle Akteure vernetzen: "Investieren Sie stärker in Köpfe als in Steine."

Der Bericht wurde von den meisten Stadträten wohlwollend aufgenommen. Der SPD-Fraktionsvorsitzende Andreas Möhlmann sieht die Schwerpunkte "richtig gesetzt". Die Grünen-Fraktionsvorsitzende Agata Ilmurzynska dankte den vielen Teilnehmern an der gemeinsamen Arbeit für die Sportentwicklungsplanung, die viele Ideen hervorgebracht hätten. Allerdings stellte Ilmurzynska die Frage, ob die Sache "so viel externe Beratung kosten" musste. Die CDU-Fraktion ging noch viel heftiger mit der Fortschreibung des Plans ins Gericht. "Das und jenes hätten wir auch ohne Untersuchung gewusst", sagte der Fraktionsvorsitzende Hans-Ulrich Spieth. Er riet davon ab, mit der AG Sport und Bewegung ein neues Gremium zu schaffen: "Wir brauchen keine Arbeitskreise." Und die CDU-Stadträtin warnte vor zu viel Aktionismus: "Können wir nicht einfach mal zufrieden sein?"

Der SPD-Stadtrat Gerhard Röger dagegen zeigte sich "einigermaßen erschüttert" über die Kritik der Christdemokraten und nannte den Bericht eine "gute und wertvolle Arbeit", der Blick von außen sei ausgesprochen hilfreich. Das fand auch der Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler und Freien Demokraten (FW/FD), Ulrich Lenk, der sich zudem vehement für die AG Sport und Bewegung einsetzte: "Ich bin absolut dafür". Seit er 1992 Vorsitzender des TSV Schmiden wurde, habe er sich für die Gründung eines Stadtsportverbands eingesetzt, sagte Lenk. Auch der Fellbacher Jugendgemeinderat will dabei mitmachen, erklärte dessen Vorsitzender Karsten Pawellek. Auf Anregung der FW/FD-Stadträtin Brigitte Hess sollen auch die ausländischen Vereine zur Teilnahme eingeladen werden.

Michael Eick, Sportlehrer und FW/FD-Stadtrat, zeigte offen sein Unbehagen an dem Verriss der CDU; es handle sich schließlich um ein Produkt der Bürgerbeteiligung. "Das schlecht zu machen entbehrt der Fairness." Auch der FW/FD-Stadtrat Martin Tete mahnte: "Die Kritik war überzogen und nicht konstruktiv." Spieth antwortete: "Wie wollen das nicht schlecht machen, aber Kritik muss erlaubt sein." Er forderte, die Handlungsempfehlungen des Berichts nicht pauschal anzunehmen, sondern lediglich zur Kenntnis zu nehmen. "Uns geht es um die Richtung und nicht ums Detail", widersprach der Erste Bürgermeister Günter Geyer; alles, was Geld koste, müsse sowieso der Gemeinderat im Einzelnen beschließen. Spieth bestand allerdings auf einer Abstimmung, konnte aber gerade mal sechs Stimmen in der elfköpfigen CDU-Fraktion für seine Position gewinnen. Die große Mehrheit des Stadtparlaments verabschiedete die Fortschreibung des Sportentwicklungsplans ohne Änderungen.

Quelle:

http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.sensationelle-werte-fuer-sportangebote.24a29dd8-629c-4a2f-b0a4-58de66275698.html